Im Mikrokosmos der Bilder erschließt sich der Makrokosmos des Universums: winzig und riesig, bewegt und still, hell und dunkel, rau und sanft. Die Welt befindet sich in ewiger Wandlung. Bernhard Staudenmayer setzt die Stimmungen der Landschaft in mehr oder weniger abstrakte Linien, Farbverläufe und Flächen um. Die teilweise transparenten Bildebenen geben Schicht für Schicht ihre Botschaft frei. Bei längerer Betrachtung verändert sich die Ansicht. Je nach Lichteinfall, Gemütsverfassung oder Sehgewohnheiten erzählen die Leinwände andere Geschichten. Dabei offenbaren sich neue Zusammenhänge; hier wirken symbolhafte Zeichen, dort betont ein mystisches Weiß die Farben. Die Wirkung liegt in jedem Falle im Auge des Betrachters. Das, was Heraklit über das Wasser sagte: "Niemand kann zwei Mal in denselben Fluss steigen", verkürzt zu: "Alles fließt", kann auch auf die Kunst von Bernhard Staudenmayer übertragen werden. Sie ist einem steten Wandel unterworfen. Die Metamorphose findet im Dialog zwischen Bild und Auge statt. Äußerlich bleibt die Leinwand gleich, und auch die Betrachter verändern sich nicht sichtbar in der Zeit, in der sie die Bilder anschauen. Dennoch geschieht etwas: Das Unsichtbare wird sichtbar.
Mira Hofmann M.A. / Speyer



